Frauengerechte Wohnbaukriterien im Wandel
Analyse der Entwicklung frauengerechter Planungskriterien in den Qualitätsprüfungen geförderter Neubauvorhaben in Wien
Im Rahmen eines Expertinnengesprächs mit der Stadt Wien war ich eingeladen, die Entwicklung frauengerechter Planungskriterien in den Qualitätsprüfungen der Wiener Bauträgerwettbewerbe des geförderten Wohnungsneubaus zu analysieren und kritisch zu reflektieren. Im Fokus stand der Vergleich zwischen den detailliert formulierten Kriterien der Modellwohnprojekte Frauen-Werk-Stadt 1 (1992–1997) und Frauen-Werk-Stadt 2 (1998–2004) mit dem Kriterienkatalog „4-Säulen-Modell“ ab 2009 und seinen Adaptierungen 2019 und 2024.
Die Analyse zeigt eine deutliche Verschiebung: Während die frühen Modellprojekte konkrete räumlich-architektonische Anforderungen formulierten – etwa kommunikative Erschließungen, natürlich belichtete Waschküchen, Sicht- und Rufkontakt zwischen Küche und Spielbereichen, querlüftbare Wohnungen, nutzungsneutrale Räume oder differenzierte Freiraumangebote –, wurden diese im Laufe der Zeit zunehmend abstrahiert und in allgemeinere Begriffe sozialer Nachhaltigkeit überführt.
Viele ehemals überprüfbare räumliche Qualitäten sind heute nicht mehr explizit Bestandteil der Kriterienkataloge und werden daher in Wettbewerben oft nicht mehr systematisch bewertet. Gleichzeitig zeigen die neueren Fassungen des 4-Säulen-Modells neue Schwerpunkte: Community-Building, Kreislaufwirtschaft, Sharing-Modelle, Energiegemeinschaften oder Besiedlungsbegleitung ergänzen den wohnbaupolitischen Diskurs um soziale und ökologische Nachhaltigkeitsaspekte.
Die Diskussion mit der Kompetenzstelle Gender Planning der Stadtbaudirektion sowie Vertreter*innen der Magistratsabteilungen MA50 und MA25 machte deutlich, wie relevant eine neuerliche Präzisierung räumlicher Qualitäten für zukünftige Bauträgerwettbewerbe wäre – insbesondere dort, wo Gender Planning unmittelbar mit Alltagstauglichkeit, Care-Arbeit, sozialer Infrastruktur und räumlicher Teilhabe verbunden ist.
Leistung
Geladene Analyse, Vortrag und Diskussion in der Kompetenzstelle Gender Planning der Stadtbaudirektion Wien zur Entwicklung frauengerechter Planungskriterien im geförderten Wiener Wohnbau
Auftraggeberin
Julia Girardi-Hoog, Kompetenzstelle Gender Planning, Stadtbaudirektion Wien. Weitere Beteiligte: Kurt Hofstätter, MA50; Sabine Pfalz und Martin Groyss, MA25.
Zeitraum
28. November 2024 und 20. März 2025
Weblinks
Qualitätssicherungsinstrumente im geförderten Wiener Wohnungsneubau
Beurteilungssystem 4 Säulen Modell
Weiterführendes
Buchkapitel Housing & Gender - gendersensible Planungspraktiken im Wiener Wohnbau
Buchpublikation Frauengerechter Wohnbau in Österreich

